Nach der US-Wahl im November des vergangenen Jahres sind die US-amerikanischen Stimmungsindikatoren sprunghaft angestiegen. Aufbruchstimmung lag in der Luft. Das hat auch die Finanzmärkte beeindruckt und die Aktienkurse teilweise kräftig steigen lassen. Das Kuriose: Die stark verbesserte Stimmung sowohl in den Chefetagen als auch an den Finanzmärkten spiegelte sich nicht in den Wirtschaftszahlen für das erste Quartal 2017 wider. Ganz im Gegenteil: Die US-Wirtschaft startete erneut schwach ins Jahr. Das US-Bruttoinlandsprodukt stieg nur um annualisierte 1,2 Prozent. Europäische Statistiker würden in so einem Fall einen nicht annualisierten Wert von 0,3 Prozent melden. Also alles nur Schall und Rauch?

Johannes Müller: Chief Investment Officer Multi Asset Deutschland
Johannes Müller
Chief Investment Officer Multi Asset Deutschland

Etwas Geduld, bitte

Nein, aber man braucht etwas Geduld. In den vergangenen Wochen wurden zunehmend Daten veröffentlicht, die tatsächlich auf eine Beschleunigung der US-Wirtschaft hindeuten. So legte die Industrieproduktion im April um immerhin ein Prozent im Monatsvergleich zu.

Die gute Stimmung scheint sich also langsam auch in steigenden „harten“ Wirtschaftszahlen, wie eben der Industrieproduktion, niederzuschlagen. Das kommt gerade rechtzeitig, weil sich in den Stimmungsindikatoren schon wieder eine leichte Abkühlung abzeichnet. Wie verhält sich der Kapitalmarkt hinsichtlich dieser Konstellation? Diverse Marktsegmente reagierten kräftig auf das Ergebnis der US-Wahl. Der mexikanische Peso wertete deutlich ab und die Renditen von US-amerikanischen Anleihen stiegen, wobei lange Laufzeiten kräftigere Renditeaufschläge hinnehmen mussten als kurze Laufzeiten. Diese steiler werdende Renditekurve reflektiert typischerweise steigende Wachstums­erwartungen.

Doch viele dieser Marktbewegungen haben sich seither korrigiert: Der mexikanische Peso konnte seine Verluste wieder wettmachen, und die Renditedifferenz zwischen kurz- und langlaufenden Staatsanleihen ist auf den Stand vor der Wahl gesunken. Der Aktienmarkt hingegen notiert weiterhin fest, getragen von Unternehmensgewinnen, die nach einer mehrjährigen Durststrecke wieder steigen, sowie von der Aussicht auf Deregulierung und sinkende Unternehmenssteuern.

Fazit: Per Saldo ist nach der ersten Euphorie in vielen Märkten nun wieder mehr Realismus eingekehrt.

Jubelstimmung

Nach der US-Wahl hat sich die Stimmung in der Wirtschaft sprunghaft verbessert. Die Produktion stieg erst zeitverzögert.

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Quellen: Bloomberg Finance L.P., Deutsche Asset Management Investment GmbH, Stand: 05/2017