Schon mal was vom „Cragel“ gehört? Es ist ein Snack: von innen ein Croissant, von außen ein Bagel. Mon Dieu, bei diesem Zwitter würde vermutlich jeder Pâtissier von Calais bis Marseille die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Aber im New Yorker Stadtteil Williamsburg hat der Cragel-Erfinder Scot Rossillo damit einen Verkaufsschlager gelandet. Hybrid Food – die kulinarische Kombination von Dingen, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen – liegt aktuell voll im Trend.

Zwei Dinge, die ebenfalls so gar nicht zueinanderpassen wollen, sind Chance und Risiko. Und trotzdem steht jeder Fondsmanager vor der Mammutaufgabe, die beiden Gegenpole in ein möglichst vorteilhaftes Verhältnis zu setzen. Die größte Freiheit genießen dabei die Manager von Multi-Asset-Fonds, da sie bei der Komposition des Portfolios auf die komplette Bandbreite der Anlageklassen zugreifen können.

Auf der Chancen-Seite hatten sie in den vergangenen Jahren relativ leichtes Spiel: Die aktuelle Hausse an den US-Aktienmärkten ist die zweitlängste in der Börsenhistorie. Auch das Jahr 2017 hätte bislang kaum besser laufen können. Sowohl in den USA als auch in Europa erreichten die Börsenbarometer neue Höchststände. Spiegelbildlich notierte der „Angstindex“ Vix CBOE Volatility Index (Vix) Der Index wird täglich von der Terminbörse Chicago Board Options Exchange (CBOE) berechnet und zeigt, mit welchen Schwankungen Anleger beim US-Index S&P 500 in den nächsten 30 Tagen rechnen. Er soll damit als eine Art Kanarienvogel im Bergbau fungieren und Investoren warnen, wenn die Luft dünn wird. Inwieweit der Index diese Funktion tatsächlich erfüllt, ist allerdings umstritten.
Mitte Mai so tief wie seit 1993 nicht mehr.

Erstaunlich ruhig

Die US-Börse haussiert, die Kurse schwanken kaum.

erstaunlichruhig
Quelle: Thomson Reuters Datastream, Stand: 05/2017

Auf der Risiko-Seite besteht die traditionelle Rezeptur gegen Kurseinbrüche darin, das Kapital auf Aktien und Anleihen zu verteilen, etwa im Verhältnis 60 zu 40. Fallen die Aktienkurse, steigen die Anleihekurse und andersherum, so die Hoffnung. Mit dieser „modernen Portfoliotheorie“ revolutionierte der US-Ökonom Harry Markowitz in den 50er-Jahren die Kapitalmärkte, 40 Jahre später erhielt er dafür den Nobelpreis. Das Problem ist nur: Die preisgekrönte Theorie ist zuletzt wiederholt an ihre Grenzen gestoßen. Beispiel Finanzkrise. Egal ob Standard- oder Nebenwerte, Industrie- oder Schwellenländeraktien, Rohstoffe oder Anleihen: 2008 rauschten die Kurse rund um den Globus in den Keller. Plötzlich bewegten sich Anlageklassen in dieselbe Richtung, die sich sonst genau entgegengesetzt entwickelt hatten. Das gleiche Phänomen trat im August 2015 auf, wenn auch nicht so dramatisch.

„Eine erneute Wiederholung ist nicht ausgeschlossen“, sagt Christian Hille, Leiter des Multi-Asset-Teams der Deutschen Asset Management. Das Risiko für zwischenzeitliche Kursrücksetzer ist latent vorhanden, auch wenn die Chancen insbesondere bei Aktien gut stehen. Für Unruhe könnte beispielsweise der unberechenbare Kurs von US-Präsident Donald Trump sorgen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) weist auf die Gefahren durch Protektionismus und das Risiko von Handelskriegen hin. „Auch wenn die Weltwirtschaft etwas Fahrt aufnehmen sollte, können wir uns nicht sicher sein, dass wir das Gröbste hinter uns haben“, warnte IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld Mitte April.

Spannend ist auch die Frage, ob es den Notenbanken gelingen wird, ihre ultralockere Geldpolitik zurückzufahren, ohne die Märkte zu erschüttern. Die Geldflut hat dazu geführt, dass Aktien- und Anleihekurse über Jahre gestiegen sind. Drehen die Währungshüter den Hahn zu, drohen Kursverluste in beiden Anlageklassen. In den USA gab es 2013 Turbulenzen, als die US-Notenbank ankündigte, weniger Geld in die Märkte zu pumpen. EZB-Präsident Mario Draghi steht die Nagelprobe noch bevor. Das sieht auch Multi-Asset-Experte Hille so: „Denn auch die Rentenseite würde eventuelle Kursverluste bei Aktien kaum auffangen können. Das ist wie ein Airbag ohne Luft.“

„Die traditionelle Diversifi­kation mit starren Anlagequoten hat ausgedient.“

Christian Hille: Leiter des Multi-Asset-Teams der Deutschen Asset Management
Christian Hille
Leiter des Multi-Asset-Teams der Deutschen Asset Management

Gefragte Absicherung

Der Ansatz der Deutschen Asset Management geht deshalb weit über die klassische Diversifikation hinaus. Verantwortlich dafür sind insbesondere zwei Risikomanager, die mit den Fondsmanagern Bildschirm an Bildschirm in einem Büro sitzen. Was tun sie, wenn es richtig kracht an den Kapitalmärkten? „Im Umfeld negativer Realzinsen ist eine Flucht schwierig“, sagt Hille. Einige Möglichkeiten gibt es dennoch: Eine Erhöhung der Kassequote, kurzlaufende Bundesanleihen oder Gegenpositionen am Terminmarkt wären denkbar. Dank der momentan niedrigen Schwankungen – ablesbar am Vix (siehe Grafik) – sind diese Absicherungen momentan relativ günstig.

Zuletzt allerdings war die Nachfrage nach diesen Optionen hoch, was ihren Preis stabilisierte. Ein Zeichen für Panik? Nein, eher für das behutsame Vorgehen der Investoren, die eine Kurskorrektur nicht ausschließen. Schließlich sind nicht nur die Erfinder von Hybrid Food kreativ, sondern auch Fondsmanager.

Richtig mischen

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Worauf es bei einem Multi-Asset-Portfolio ankommt, zeigt das Video unter:

dws.de/multi-asset-video