Sparer müssen sich wohl weiter in Geduld üben: Die Weltwirtschaft erholt sich langsam, aber Schritt für Schritt. Die Arbeitslosigkeit befindet sich auf dem Rückzug. Die freien Produktionskapazitäten der Unternehmen nehmen ab. Damit wird ein Anstieg von Löhnen und Güterpreisen wahrscheinlicher. Dies führte in den vergangenen Monaten dazu, dass die Inflationserwartung zugenommen hat.

Inflation zieht an

Mit der Rückkehr der Teuerung spitzt sich die Lage für Sparer weiter zu. Wer sein Geld aufs Sparbuch oder Tagesgeldkonto legt, bekommt in vielen Ländern weltweit nicht nur keine Zinsen, sein Geld verliert durch die anziehende Inflation sogar an Wert. Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege der Deutschen Asset Management, sagt: „Die Deflationsgefahren, die noch in der zweiten Jahreshälfte 2016 geschürt wurden, scheinen gebannt.“ Fakt ist: Die Vorbedingungen für einen stabilen, wenngleich moderaten Inflationsanstieg sind weltweit gegeben. Grund für die anziehende Inflation ist, dass sich die Weltwirtschaft synchron aufwärts entwickelt – nur regional mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten.

Stetiger Aufschwung

Dafür spricht, dass bei den Unternehmen und den Verbrauchern der Optimismus zunimmt. Damit dürften sowohl der Konsum als auch die Investitionen 2017 positive Wachstumsbeiträge liefern. Steigende Staatsausgaben dürften für weitere Wachstumsimpulse sorgen. „Erkennbar ist zudem, dass der Aufschwung auch regional an Breite gewonnen hat“, erklärt Chefanlagestratege Kreuzkamp.

Anleger sollten sich schon jetzt darauf vorbereiten: Sie müssen in dieser Übergangsphase mit stärkeren Kursschwankungen an den Märkten rechnen.

Bis Mitte Februar reagierten Anleger positiv auf die Versprechen des republikanischen US-Präsidenten Donald Trump. Allein die Tatsache, dass er im Wahlkampfslogan von Ronald Reagan „Let’s make America great again“ nur das Wort „Let’s“ strich, weckt Erinnerungen an die damalige Zeit und an das in Teilen recht ähnliche Wirtschaftsprogramm von Reagan ab 1981.

2,2

Prozent

betrug die Inflation in Deutschland im Februar. Damit war die Teuerung zuletzt so hoch wie seit Februar 2012 nicht mehr.

Was will Trump?

Trump will mit Deregulierung, Steuersenkungen sowie Ausgabenprogrammen für Infrastruktur und Verteidigung für zusätzliches Wachstum sorgen. Reagan setzte Anfang der 80er-Jahre auf eine Kombination aus staatlichen Ausgabenprogrammen, Steuersenkungen und Deregulierung. Das Ziel war und ist auch heute ein höheres Wachstum und mehr Beschäftigung. Versprochen hat Trump ein reales Wachstum von vier Prozent und 25 Millionen neue Jobs binnen zehn Jahren.

So ähnlich die Programme, so unterschiedlich sind die Ausgangssituationen: Zu Reagans Zeiten war die Arbeits­losigkeit hoch. Und auch die demografische Situation war eine andere. Die Zahl der Arbeitnehmer stieg damals kräftig. Heute wächst der Anteil der Menschen über 65 Jahre. Sowohl die Fed als auch das Büro für Arbeitsstatistik in den USA gehen von einem Wachstum von 80 000 Stellen pro Monat aus. Auf zehn Jahre hochgerechnet entspricht dies rund zehn Millionen neuen Jobs – also gut 15 Millionen weniger Stellen als von Trump versprochen. Und auch sein reales Wachstumsziel von vier Prozent gilt aufgrund der Demografie als äußerst ambitioniert.

Erhält Trump im Kongress die Zustimmung zu seinen gewaltigen Ausgabenprogrammen, stellt sich die Frage, ob er – im Gegensatz zu „Reaganomics“ – statt des realen Wachstums eher das nominale Wachstum befeuert. Trumps Ausgabenprogramm könnte so statt hoher realer Wachstumseffekte einen kräftigen Inflationsanstieg mit sich bringen. Das hätte möglicherweise Folgen für die Geldpolitik: Die US-Notenbank müsste dann gegensteuern und ihre Leitzinsen schneller erhöhen.

„Aktien bleiben gemessen an den Renditen von Staats­anleihen attraktiv.“

Stefan Kreuzkamp
Stefan Kreuzkamp: Chefanlagestratege Deutsche Asset Management

Stefan Kreuzkamp: Chefanlagestratege Deutsche Asset Management

US-Zinsen strahlen aus

Trump bleibt nur die Hoffnung, dass sich das Produktivitätswachstum enorm beschleunigt. Seine Deregulierungspläne könnten ihm dabei helfen. Ein weiterer Risikofaktor sind protektionistische Maßnahmen. Setzt die neue US-Regierung diese tatsächlich in großem Stil durch, begrenzt dies die Möglichkeit von US-Unternehmen, die Vorteile der internationalen Produktion zu nutzen. Das wiederum könnte die Wachstumseffekte der Deregulierung zunichte machen und der Inflation Rückenwind verleihen. Deshalb zogen die Renditen am US-Anleihemarkt bereits deutlich an, als sich ein Wahlsieg von Trump im November 2016 abzeichnete. „Wir halten es für wahrscheinlich, dass die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen auf drei Prozent steigt“, erklärt Kreuzkamp. Im Gegensatz zu Reagan setzt Trump allerdings auf eine starke Begrenzung der Zuwanderung und auf Protektionismus.

Die Zinsentwicklung in den USA strahlte – genau wie vor 33 Jahren – auch auf die Anleihen anderer Länder aus. Der Zinsanstieg fiel jedoch aufgrund des geringeren Wachstumstempos vielerorts geringer aus. „Wir erwarten einen weiteren, allerdings sehr moderaten globalen Zinsanstieg bis zum Jahresende 2017“, erläutert Kreuzkamp.

Und der Aktienmarkt? In den USA sorgten zunehmende Wachstumserwartungen für einen Anstieg der Kurse. Dies sowie die Dollarstärke gab Aktien aus der Eurozone, aus Großbritannien und aus Japan ebenfalls Auftrieb.
Ein Teil der besseren Wachstums­aussichten ist damit an den Börsen bereits eingepreist und begrenzt das weitere Kurs­potenzial in diesem Jahr. Dazu Kreuzkamp: „Bei Aktien aus den USA, der Eurozone und Japan erwarten wir inklusive der Dividenden durchschnittliche Renditen im mittleren einstelligen Prozentbereich. Aktien bleiben damit gemessen an den Renditen, die bei Staatsanleihen oder am Geldmarkt erzielbar sind, attraktiv.“

Politik im Blick behalten

Wer in Anleihen oder Aktien investiert, sollte die politische Entwicklung im Blick behalten. Anstehende Wahlen könnten für Verunsicherung sorgen und damit die Wirtschaft bremsen. In den Niederlanden stehen im März, in Deutschland im September Parlamentswahlen an. In Frankreich wird ein neuer Präsident gewählt. Und in Italien hat sich nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Matteo Renzi eine neue Regierung gebildet. Doch deren Mehrheit ist äußerst knapp, Neuwahlen gelten als wahrscheinlich. Ein Risiko ist, dass die Europa-Gegner weiter an Boden gutmachen. „Wir gehen davon aus, dass die Europa-Gegner bei den Wahlen keine Mehrheiten bekommen“, sagt Kreuzkamp. „Ausschließen lässt sich das Extremrisiko aber nicht.“

USA sprinten vor – kann die Eurozone mithalten?


Anleiherenditen: USA vorn

Im Zehn-Jahres-Vergleich sind die realen Anleiherenditen, also die Renditen vermindert um die Kerninflationsrate, deutlich gefallen. In Deutschland waren sie zuletzt noch negativ.

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Quellen: Thomson Reuters Datastream, USA: Rendite minus die Kernrate der Inflation in den USA, Deutschland: Rendite minus Kerninflationsrate der Eurozone, Stand: 01/2017

Produktionslücken: stete Annäherung

Beide Regionen sind auf dem Weg zur Normalauslastung. Bei einer langfristigen Überauslastung droht eine steigende Inflation.

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Quellen: Thomson Reuters Datastream, Oxford Economics, Stand: 02/2017

Inflation: großer Abstand

Die Kernrate der Inflation liegt in der Eurozone deutlich niedriger als in den USA. Bis zur Zielmarke von zwei Prozent ist es noch weit.

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Quellen: Thomson Reuters Datastream, Oxford Economics, Stand: 01/2017

Bruttoinlandsprodukt: Eurozone hinkt hinterher

Beim realen Wirtschaftswachstum liegen die USA deutlich vor der Eurozone, die nur langsam vorankommt.

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Indexiert: 1. Quartal 2016 = 100, Quellen: Thomson Reuters Datastream, Oxford Economics, Stand: 01/2017

Die Zahl Null oder warum der Zins nicht positiv sein muss

Wussten Sie, dass …

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… schon in der Antike und wohl auch davor darüber gestritten wurde, ob es das Nichts, wofür die Null steht, überhaupt geben kann? Beim Rechnen setzte sich die Null erst im 17. Jahrhundert in Europa durch.

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… auch Ökonomen über die Null diskutierten? Bis vor wenigen Jahren galt, dass der Zins positiv sein muss. Begründung: Menschen schätzen den Wert heutigen Konsums höher als den Wert künftigen Konsums.

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… die Kosten der Geldhortung mit dazu beigetragen haben, dass Negativzinsen bei „sicheren“ Bundesanleihen von Anlegern akzeptiert wurden? Schließlich ist auch die Aufbewahrung von Geld nicht umsonst.

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Gezwitschert

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