Ein Grundgedanke, an dem sich Fondsmanager Andre Köttner bei seiner Aktienauswahl orientiert, ist: Wer nicht bereit ist, eine Aktie für zehn Jahre zu halten, sollte auch nicht darüber nachdenken, sie für zehn Minuten zu besitzen. Für Köttner zählen die langfristigen Perspektiven von Unternehmen, nicht kurzfristige, häufig erratische Trends. Wie er die aktuelle Marktsituation einschätzt und warum ihn jederzeit mögliche Kurseinbrüche nicht schrecken, erläutert der Mathematiker im Interview.

„Immer nur auf den Abschwung zu warten, ist die falsche Strategie.“

Aufgrund der anziehenden Inflation und niedrigen Zinsen erwartet ifo-Chef Clemens Fuest ein schwieriges Jahr für Sparer. Sehen Sie das genauso, Herr Köttner?

Andre Köttner: Zur Frage der anziehenden Inflation: Ich persönlich bekomme die Teuerung in meinem Alltag zu spüren, häufig sind es mehr als zwei Prozent. Wenn ich in Frankfurt mittags essen gehe, liegt die jährliche Preissteigerung gefühlt eher bei rund fünf Prozent. Aber selbst wenn die Inflation nur zwei Prozent beträgt, das Sparbuch aber nur ein Prozent Zinsen abwirft, verliere ich an Kaufkraft.

Welche Auswege gibt es für Anleger?

Köttner: Der Aktienmarkt ist einer davon. Gerade für deutsche Anleger, die meiner Meinung nach zu gering investiert sind. Als Aktionär bin ich Mitbesitzer eines Unternehmens. Wenn das Unternehmen in der Lage ist, seine Preise zu erhöhen und so mehr Umsatz und höhere Gewinne ausweisen kann, kann dieses Investment vor Inflation schützen. Gute Beispiele dafür sind der Einzelhandelssektor oder die Basiskonsumgüterindustrie mit Produkten des täglichen Bedarfs – von A wie alkoholfreies Bier bis Z wie Zahnpasta –, die beide von einer anziehenden Inflation profitieren können.

Dow Jones und Dax sind gut ins neue Jahr gestartet. Ist da immer noch Luft noch oben?

Köttner: Fakt ist: Wir haben viele gute Börsenjahre hinter uns und aktuell sind die politischen Risiken mit dem twitternden US-Präsidenten, dem nahenden Brexit oder den anstehenden Wahlen in Europa hoch. Deutsche Aktien sind im internationalen Vergleich nicht hoch bewertet. Nach Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis ist der heimische Markt einer der günstigsten. Doch die meisten Unternehmen hierzulande sind international und auf den Export ausgerichtet und damit Zykliker. Für mich wäre es deshalb nicht verwunderlich, wenn mal wieder ein schlechtes Börsenjahr käme.

Müssen wir 2017 mit einer Korrektur rechnen?

Köttner: Es kann gut sein, dass es noch zwei oder drei Jahre dauert, bis wir eine Korrektur an den Finanzmärkten sehen. Doch ich beschäftige mich nicht stark mit dieser Frage. Als Fondsmanager konzentriere ich mich lieber darauf, attraktive Unternehmen zu finden, als den idealen Ein- oder Ausstiegszeitpunkt zu treffen.

4,4

Millionen

deutsche Anleger sind Aktionäre. Damit hat nur etwa einer von 20 Bundesbürgern Aktien im Depot.

Quelle: Deutsches Aktieninstitut, Stand: 02/2017

Viele Anleger vertrauen bei der Kapitalanlage auf ihr Bauchgefühl. Was sagen Sie als Kopfmensch dazu?

Köttner: Deutsche Anleger sehen leider viel zu häufig die Risiken und nicht die Chancen. Immer nur auf den Abschwung zu warten, ist die falsche Strategie. Anleger sollten gegen den Strom schwimmen. Aktien, die der Markt zu sehr abstraft, können für mich als Investor, wenn ich sie als unterbewertet einstufe, besonders interessant sein. Viele Anleger haben oft aber nicht den Mut zu kaufen, wenn es mit den Kursen bergab geht. Deswegen rate ich dazu, immer schrittweise einzusteigen. Kommt irgendwann doch die Korrektur, dann kann man immer noch nachkaufen.

Andre Köttner: Der studierte Mathematiker managt Aktienvermögen von insgesamt knapp zehn Milliarden Euro. Der 45-Jährige kam 2013 zur Deutschen AM und hat die beiden Aktienfondsklassiker DWS Akkumula und DWS Vermögensbildungsfonds I erfolgreich übernommen.

Andre Köttner: Der studierte Mathematiker managt Aktienvermögen von insgesamt knapp zehn Milliarden Euro. Der 45-Jährige kam 2013 zur Deutschen AM und hat die beiden Aktienfondsklassiker DWS Akkumula und DWS Vermögensbildungsfonds I erfolgreich übernommen.

Wo suchen Sie nach attraktiven Aktien, also unterbewerteten Unternehmen?

Köttner: Wenn man sich Branchen anschaut, die in den vergangenen Jahren schlecht abgeschnitten haben, dann fällt mir der Gesundheitssektor ein. Grund war unter anderem der US-Wahlkampf, bei dem die Kandidaten gegen die hohen Medikamentenpreise gewettert haben. Gleichzeitig ist der Markt in den USA der größte weltweit. Viele Anleger waren deswegen verunsichert. Dadurch sind viele Unternehmen des Sektors derzeit günstiger bewertet als noch vor einem Jahr – obwohl sie ein sehr widerstandsfähiges Geschäftsmodell haben.

Können Sie kurz umreißen, wie Ihre Aktienanalyse funktioniert?

Köttner: Ich sehe mir vor allem Unternehmen an, deren Entwicklung sich gut prognostizieren lässt – unabhängig von Regulierungen und Zentralbank-Entscheidungen. Im Wesentlichen sind für mich fünf Aspekte entscheidend. Da ist einmal: die Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells, die sich zum Beispiel in der Höhe und Stabilität der Kapitalrenditen zeigt. Ferner sind es die Qualität des Managements und die Art des Wachstums. Hier bevorzuge ich organisches Wachstum vor übernahmegetriebenem Wachstum. Des Weiteren achte ich auf eine konservative Bilanzierung und behalte die Bewertung der Aktien im Auge.

„Bei Aktieninvestments führt für Anleger kein Weg an den USA vorbei.“

Welche Bedeutung hat die Dividendenpolitik von Unternehmen auf Ihre Titelauswahl?

Köttner: Eine nachhaltige Dividendenpolitik ist wichtig und zeugt von einem gesunden sowie stabilen Geschäftsmodell. Doch wenn Gesellschaften die Möglichkeit haben, ins eigene Geschäft zu investieren und dadurch eine gute Kapitalrendite erzielen, können sie aus meiner Sicht auch gern auf Dividendenauszahlungen verzichten.

US-Präsident Donald Trump steht für Ungewissheit – aber auch für Chancen an den Börsen. Zu welcher Anlagestrategie würden Sie raten?

Köttner: Grundsätzlich haben politische Ereignisse nur einen kurzfristigen Effekt an den Börsen. Doch nun ist Trump im Weißen Haus und kann mit gerade einmal 140 Zeichen langen Tweets die Aktienkurse enorm bewegen. Er setzt politische Entscheidungen in einer Geschwindigkeit und Dramatik um, die wir von anderen Amtsinhabern nicht gewohnt waren. Persönlich denke ich, dass am Ende die wirtschaftliche Vernunft siegen wird und wir derzeit nur kurzfristige Effekte ohne langfristige negative Auswirkungen sehen.

Heißt das, Sie halten an der starken US-Orientierung Ihrer beiden Fonds DWS Akkumula und DWS Vermögensbildungsfonds I fest?

Köttner: Als Fondsmanager denke ich global, nicht regional. In den USA sind beispielsweise viel mehr Unternehmen an den Börsen gelistet als in Europa – insbesondere aus dem Mittelstand. Die USA haben im Anlagesegment Aktien einfach den größten Markt. Neben der größeren Auswahl komme ich auch nicht an den Vereinigten Staaten vorbei, wenn ich in bestimmte Sektoren investieren will, beispielsweise im Bereich Biotech oder Technologie.

6,2

Prozent

durchschnittliche reale Rendite pro Jahr. Das ist die Bilanz von US-Aktien seit 1849 – trotz Krisen und Kriegen.

Quellen: Datastream, CS Global Strategy/IDC, Stand: 11/2015

Von dem Wahlausgang in den USA konnten besonders zyklische Sektoren wie Industrietitel überproportional profitieren. Wird sich das fortsetzen?

Köttner: Industrietitel haben in der Tat stark reagiert, weil die Märkte den Aufschwung etwa durch Steuererleichterungen vorweggenommen und eingepreist haben. Jetzt müssen wir schauen, ob es eventuell bereits zu viel des Guten war und die wirtschaftliche Belebung wirklich so stark ausfällt. Bevor das nicht eintritt, erkenne ich derzeit kein weiteres Potenzial.

Schwellenländer haben momentan nicht viele Anleger auf dem Zettel. Entgehen ihnen Renditechancen?

Köttner: Es ist leider immer noch so, dass viele Unternehmen aus Schwellenländern andere Geschäftsmodelle kopieren und sich mit niedrigen Kapitalrenditen zufriedengeben. Deshalb finde ich für meine Fonds dort eher selten interessante Unternehmen. Doch es gibt auch positive Beispiele, wie Samsung in Südkorea, die sich vom billigen Zulieferer zu einem etablierten Markenhersteller gewandelt haben. Deshalb kommt es nicht nur bei Schwellenländer-Investments besonders auf die Selektion an.

Vier gegen den Zinsfrust

Wie können Anleger ihr Depot von den bleiernen Nullzinsen befreien? Aktien sind durchaus ein probates Mittel, sagt Co-Aktienchef Andre Köttner. Vier Fonds, drei mit handverlesener Aktienauswahl und einer mit quantitativem Ansatz.


DWS Vermögensbildungsfonds I

Ein echter Fonds-Klassiker

Nomen est omen. Seit mehr als 40 Jahren bietet der DWS Vermögensbildungsfonds I Anlegern die Möglichkeit, Vermögen in Form der weltweiten Aktienanlage aufzubauen. Das Fondsmanagement unter der Leitung von Andre Köttner streut das Fondsvermögen auf rund 150 bis 200 Werte. Der Fokus liegt auf großen Standardwerten, wobei Substanz- und Wachstumstitel gleichermaßen berücksichtigt werden. Dabei ist die Titelauswahl handverlesen: Dem Bottom-up- Ansatz folgend, wird jedes infrage kommende Unternehmen im Rahmen eines aufwändigen Research-Prozesses primär anhand fundamentaler Kriterien streng auf Herz und Nieren geprüft. Stimmt die Unternehmensqualität nach Einschätzung des Fondsmanagements, hat eine Aktie eine gute Chance, in das Portfolio aufgenommen zu werden.

ISIN: DE0008476524
Ausgabeaufschlag: 5,00 %
Gesamtkostenquote¹: 1,45 %
DWS-Risikoklasse²: 3 von 4
¹Stand: 30.09.2016. ²Bitte lesen Sie auch die Risikohinweise im Impressum

Deutsche AM Smart Industrial Technologies

Welcome, Mr. Robot!

Laut einer Analyse des Marktforschungsunternehmens ABI Research soll der Markt für Industrieroboter bis 2021 um jährlich 16 Prozent zulegen und damit zu einem der am schnellsten wachsenden Industriezweige werden. Das jährliche Marktvolumen dürfte den Prognosen zufolge schon im Jahr 2020 die Marke von 30 Milliarden US-Dollar erreichen. Neben dem Megatrend der Automatisierung führen technische Innovationen und die Steigerung der Effizienz und Qualität nach Ansicht der Analysten der Deutschen Asset Management auch in anderen Industriebereichen zu attraktiven Chancen für Investoren. Eine Möglichkeit, mit der Anleger direkt von dem Potenzial der Industriewerte profitieren können, ist der Deutsche AM Smart Industrial Technologies. Der Fonds investiert in Firmen, die ihre Einnahmen in industriellen Wachstumsfeldern erzielen.

Weltweite Ausgaben für Industrieroboter

Bildschirmfoto 2017-03-05 um 12.27.33

ISIN: DE0005152482
Ausgabeaufschlag: 5,00 %
Gesamtkostenquote¹: 1,46 %
DWS-Risikoklasse²: 4 von 4
in Milliarden US-Dollar, ab 2020 Prognose, Quelle: Statista, Stand: 02/2017; ¹Stand: 30.09.2016. ²Bitte lesen Sie auch die Risikohinweise im Impressum

Deutsche Invest II European Top Dividend

Dividenden als Renditebringer

Gerade Aktien mit einer hohen Dividendenrendite können Kursschwankungen teilweise abfedern. Aktuell liegt die Dividendenrendite von Aktien aus der Eurozone bei etwa 3,7 Prozent. Bei dividendenstarken Aktien kann ein doppelter Gewinntreiber wirken: steigende Kurse plus Erträge aus den Dividenden. Die Manager von Dividendenaktienfonds können durch geschickte Titelauswahl teils sogar noch höhere Renditen vereinnahmen. So investiert etwa der Deutsche Invest II European Top Dividend vorrangig in Aktien hochkapitalisierter europäischer Unternehmen, die neben einer überdurchschnittlichen Dividendenrendite auch ein prognostiziertes Dividendenwachstum sowie eine angemessene Ausschüttungsquote (Anteil der Dividendenausschüttung am Jahresüberschuss) aufweisen können.

ISIN: LU0781237614
Ausgabeaufschlag: 5,00 %
Gesamtkostenquote¹: 1,64 %
DWS-Risikoklasse²: 3 von 4
¹Stand: 31.12.2016. ²Bitte lesen Sie auch die Risikohinweise im Impressum

Deutsche Invest I LowVol World LC

Die Defensive gewinnt das Spiel

Vor allem die Politik könnte 2017 die eine oder andere Überraschung bereithalten. In den nächsten Monaten stehen zahlreiche, schwer einzuschätzende politische Ereignisse auf der Agenda: Wahlen in den Niederlanden, in Frankreich und Deutschland, die Entwicklung in Griechenland oder auch Tweets vom US-Präsidenten. Deshalb können Aktienfonds, die eine eher defensive Strategie verfolgen, ein sinnvoller Baustein für das Depot sein. Der Deutsche Invest I LowVol World legt in globale Titel nach dem Grundsatz der Risikostreuung an. Für diesen Zweck wird ein Portfolio zusammengestellt, das gegenüber dem breiten Aktienmarkt eine niedrigere zu erwartende Kursschwankung aufweist. Dabei kommt Sektoren wie Versorger und Basiskonsumgüter aufgrund ihrer defensiven Struktur im Portfolio eine höhere Bedeutung zu.

ISIN: LU1230072479
Ausgabeaufschlag: 5,00 %
Gesamtkostenquote¹: 1,74 %
DWS-Risikoklasse²: 3 von 4
¹Stand: 31.12.2016. ²Bitte lesen Sie auch die Risikohinweise im Impressum

31,3

Milliarden

Euro an Dividenden dürften die 30 Dax-Konzerne im Jahr 2017 an ihre Aktionäre ausschütten – etwa sieben Prozent mehr als im Vorjahr.*

* Prognose der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz