Nicht zu warm, nicht zu kalt, viel Sonne, genügend Feuchtigkeit und Nährstoffe: So gedeihen Pflanzen am besten. Wenn kein Sturm und keine Dürre das Wachstum hemmen, sprechen Forscher von Idealbedingungen. Auch an den Finanzmärkten gibt es Zeiten, zu denen solche Idealbedingungen herrschen – und zwar viel häufiger, als mancher Anleger denken mag.

Früher war alles lohnender

Dafür braucht sich niemand lang durch historische Daten zu wühlen. Ein Blick auf die vergangenen zwanzig Jahre genügt: Von 1996 bis 2016 konnten Anleger eine Rendite vor Kosten von durchschnittlich 6,4 Prozent pro Jahr einfahren, ohne unverhältnismäßig große Risiken einzugehen. Genauer gesagt mussten sie dafür eine Wertschwankung ihres Portfolios, auch Volatilität genannt, von sieben Prozent jährlich hinnehmen. „Das entspricht der Risikotoleranz eines durchschnittlichen deutschen Privatanlegers“, erklärt Christian Hille, Leiter des Multi-Asset-Teams der Deutschen Asset Management. In den vergangenen sechs Jahren, also von 2010 bis 2016, waren sogar acht Prozent Rendite drin – bei gleich hoher Volatilität.

Sind die fetten Jahre vorbei?

Anleger, die Schwankungen von sieben Prozent tolerierten, konnten von 1996 bis 2016 pro Jahr 6,4 Prozent Rendite erzielen. Von 2010 bis 2016 waren es 8 Prozent. 2017 dürften es 3 bis 4 Prozent sein (keine Garantie).²

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Wertentwicklungen der Vergangenheit ermöglichen keine Prognosen für die Zukunft, ²Rendite vor Kosten, ³Prognose, Quellen: Bloomberg Finance L.P., BofA Merrill Lynch Global Research, Deutsche Asset Management Investment GmbH, Stand: 11/2016

In diesen zwei Jahrzehnten hätte es sich zudem kaum ausgezahlt, höhere Risiken einzugehen. Selbst bei einer Volatilität von 15 Prozent wäre nur 6,9 Prozent Rendite möglich gewesen. Das andere Extrem: Bei nahezu null Risiko hätten Anleger immer noch im Schnitt 1,7 Prozent einheimsen können. Schließlich gab es bis vor wenigen Jahren noch den „risikofreien Zins“, etwa bei Bundesanleihen oder auf einem Tagesgeldkonto – es schien also die Sonne am Anlegerhimmel.

Was ist mit den Crashs?

Moment mal: Fiel in diese Zeit nicht eine ganze Reihe von Börsencrashs wie die Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende, die allein beim US-Technologieindex Nasdaq für Verluste von 80 Prozent binnen zweieinhalb Jahren gesorgt hat? Oder die Finanzkrise von 2007? Oder die Schuldenkrise in Europa? Natürlich. Wer aber investiert geblieben ist, hat diese starken Verluste in den darauffolgenden Jahren mehr als aufholen können.

„Global zu investieren bedeutet bessere Renditechancen bei geringerem Risiko.“
Christian Hille: Leiter des Multi-Asset-Teams der Deutschen Asset Management

Christian Hille: Leiter des Multi-Asset-Teams der Deutschen Asset Management

Ohnehin sind Preisblasen an den Börsen eher selten, wie William Goetzmann¹ von der Yale School of Management herausgefunden hat. Für den US-Forscher existiert eine Blase, wenn sich der Marktwert verdoppelt und anschließend um 50 Prozent fällt. Goetzmann hat für seine Studie 21 Aktienmärkte seit 1900 betrachtet und fand heraus, dass eine Kursverdopplung innerhalb eines Jahres nur in 72 Fällen (zwei Prozent) auftrat. In gerade einmal drei Situationen kam es danach zu einem Kursrutsch von 50 Prozent (Argentinien 1976–1977, Österreich 1923–1924 und Polen 1993–1994).

10

Prozent

aller Boomphasen an den Aktienmärkten entwickelten sich seit 1900 zu Blasen. In 90 Prozent der Fälle gab es keine starken Kurseinbrüche.¹

¹William N. Goetzmann: „Bubble Investing: Learning from History“, erschienen in: David Chambers, Elroy Dimson: „Financial market history. Reflections on the past for investors today“, Stand: 12/2016

Binnen drei Jahren war ein so rasanter Kursanstieg laut Goetzmann schon häufiger zu beobachten (14 Prozent). Doch nur in 20 Fällen stürzte der Markt im nächsten Jahr um die Hälfte ab und nur bei einem Zehntel der Fälle kam es in den folgenden fünf Jahren zu einem Crash. Dagegen verdoppelten sich die Kurse in 20 Prozent der Fälle noch einmal. Wer danach geht, müsste bei stark steigenden Kursen also erst recht zukaufen.

Die Beispiele zeigen aber auch, wie schwer es ist, auf dem Zenit auszusteigen. „Blasen sind Booms, die zusammengebrochen sind“, resümiert Goetzmann. „Aber längst nicht alle Booms brechen zusammen.“ Laut seiner Studie ist es gerade einmal jeder zehnte.

Dranbleiben

Die Erkenntnisse dürften alle Anleger freuen, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten eisern alle Krisen ausgesessen haben.

Die Gretchenfrage aber lautet: Wird das Durchhaltevermögen auch in Zukunft honoriert? „Nicht zu investieren ist angesichts der vertrackten Kombination aus Inflation und Nullzinsen keine Alternative“, sagt Hille (siehe auch Artikel “Inflation trifft auf Niedrigzins”). „Allerdings werden die Renditechancen an den Märkten mittelfristig wohl nicht so hoch wie in den vergangenen Jahren ausfallen.“ In den kommenden zwölf Monaten dürfte die Rendite eher bei drei bis vier Prozent liegen, wenn die Volatilität weiterhin sieben Prozent betragen soll. Die Gründe: „In den vergangenen Jahren waren steigende Aktienmarktbewertungen und steigende Anleihekurse dank der ultraexpansiven Geldpolitik in den USA, Europa und Japan die Performance-Treiber. Doch diese Effekte laufen langsam aus“, sagt Hille. Renditebringer müssen Anleger heute also viel gezielter suchen als noch vor wenigen Jahren.

Fokus auf Risiken

Für Hille und sein Multi-Asset-Team ist die Auswahl groß, schließlich dürfen sie auf sämtliche Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, aber auch Rohstoffe und Devisen zugreifen. Wie gehen sie vor? Eine ihrer momentan wichtigsten Maximen lautet, nicht allein auf die Renditechance zu schauen, sondern die Risiken genau im Blick zu behalten.

Ein Beispiel: Wenn in den vergangenen zehn Jahren zehn Prozent eines Portfolios in den US-Aktienindex S&P 500 investiert wurden, stellte dieser Anteil im Schnitt nur 1,4 Prozent des Risikobeitrags im Portfolio dar. Wurden zehn Prozent in den Euro Stoxx 50 investiert, betrug der Risikobeitrag dagegen 1,9 Prozent, also rund ein Drittel mehr.

„Global zu investieren verbessert die Chance auf höhere Renditen bei gleichzeitig geringeren Schwankungen“, sagt Hille. Da die Chancen auf steigende Aktienkurse aus seiner Sicht mittelfristig gut, aber kurzfristig eher begrenzt scheinen, hält er verstärkt Ausschau nach dividendenstarken Titeln und besser verzinsten Anleihen, auch aus Schwellenländern.

Auch wenn in den kommenden Monaten wohl nicht mehr durchgängig eitel Sonnenschein an den Finanzmärkten herrschen dürfte – mit der richtigen Strategie können Anleger auch ein paar Regentage überbrücken.

Deutsche Invest I Multi Asset Income LD

Anlageziel: Fondsmanager Philipp Brugger will mit einem breit aufgestellten, globalen Multi-Asset-Portfolio hohe Ausschüttungen für Anleger erzielen.

Anlageschwerpunkt: Das Anlageuniversum umfasst alle Anlageklassen. Der Fonds setzt hauptsächlich auf hochkapitalisierte Substanzwerte mit überdurchschnittlicher Dividendenrendite und attraktiv verzinste Anleihen, unter anderem aus Schwellenländern.

Marktlage: Hochzinsanleihen aus den USA und Europa trugen genauso zur Wertentwicklung bei wie Wandelanleihen und Aktien aus den Industrieländern. Dabei gehört der Sektor Infrastruktur zu Bruggers Favoriten.

Risikofaktoren: Höhere Kursrisiken im Aktien-, Zins- und Währungsbereich sowie Bonitätsrisiken.

ISIN: LU1054320970
Ausgabeaufschlag: 4,00 %
Gesamtkostenquote⁴: 1,41 %
DWS-Risikoklasse⁵: 3 von 4
⁴Stand: 31.12.2015. ⁵Bitte lesen Sie auch die Risikohinweise im Impressum

Deutsche Multi Opportunities LD

Anlageziel: Ertragsorientiert, flexibel, ausgewogen: Das ist die Anlagephilosophie von Fondsmanager Henning Potstada. Mit dem Dachfonds will er einen möglichst hohen Wertzuwachs in Euro erzielen und ist dabei nicht auf bestimmte Anlageklassen oder Regionen beschränkt. Chance und Risiko sollten sich die Waage halten.

Anlageschwerpunkt: Es gibt keine starren Aktien- oder Anleihequoten. Potstada will aber möglichst die Hälfte des Fondsvermögens in Aktien investieren.

Marktlage: Potstada hat den Dollar- Anteil im Portfolio zuletzt erhöht und im Gegenzug den Euro-Anteil verringert. Der Fonds profitierte von einer guten Aktienperformance, die Quote hat Potstada dennoch leicht gesenkt.

Risikofaktoren: Höhere Kursrisiken im Aktien-, Zins- und Währungsbereich sowie Bonitätsrisiken.

ISIN: LU0989117667
Ausgabeaufschlag: 4,00 %
Gesamtkostenquote⁴: 1,57 %
DWS-Risikoklasse⁵: 3 von 4
⁴Stand: 31.12.2015. ⁵Bitte lesen Sie auch die Risikohinweise im Impressum