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Welche Schlagzeile wird die Finanzmärkte im Jahr 2017 wohl am meisten in ihren Bann ziehen? Vielleicht „Der Dow Jones knackt die 22 000-Punkte-Marke“? Oder „Der Goldpreis steigt auf 1500 Dollar“? Oder gar „Der Euro fällt auf Parität zum Dollar“? Höchstwahrscheinlich keine davon. Vielmehr könnte die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen eine Schlüsselrolle spielen und die Entwicklung der Aktienkurse maßgeblich beeinflussen. Sollte die Rendite im Laufe des Jahres nachhaltig in Richtung drei Prozent marschieren, wäre ein Trend gebrochen, der bereits seit den 80er-Jahren intakt ist.

Rote Linie für Anleihen

Mit anderen Worten: Wenn diese rote Linie überschritten wird, droht die wohl längste Hausse in der Geschichte der Anleihemärkte zu enden.
Ende der 70er-Jahre kämpfte der damalige Fed-Chef Paul Volcker mit Leitzinsen von bis zu 20 Prozent gegen die ausufernde Inflation. Nachdem die Gefahr gebannt war, fielen die Leitzinsen und damit auch die Anleiherenditen. Dieser Trend hielt über Jahrzehnte an, 2008 wurde der Leitzins schließlich auf null Prozent gesenkt und erst 2015 wieder leicht angehoben. Da die Kurse von Anleihen steigen, wenn die Verzinsung fällt, kannte der Markt seit 35 Jahren nur eine Richtung: nach oben.

„Rasche Zinsanhebungen sind in Europa und Japan kaum in Sicht.“
Torsten Strohrmann: Abteilungsleiter globale Anleihe­n der Deutschen Asset Management

Torsten Strohrmann: Abteilungsleiter globale Anleihe­n der Deutschen Asset Management

Schon häufig wurde der mittlerweile arg in die Jahre gekommene Anleihen-Bulle für tot erklärt – und trotzdem stiegen die Kurse weiter. Bis zum November 2016, genauer gesagt der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Er kündigte an, das Wachstum der größten Wirtschaftsmacht der Welt etwa mit Steuererleichterungen, Deregulierung und Infrastruktur-Investitionen von 1000 Milliarden Dollar anzukurbeln. Seine Wahlversprechen trieben zwar die Kurse an der Wall Street in neue Höhen. Die Anleihemärkte aber kamen gehörig unter die Räder, weil Investoren von einer anziehenden Inflation und höheren Zinsen ausgingen.

1600

Millionen

verlor der globale Anleihemarkt zwischen der US-Wahl (08.11.2016) und der Amtseinführung Trumps (20.01.2017) an Wert.

Rein ins Risiko

Noch während die Stimmzettel ausgezählt wurden, stiegen die US-Anleiherenditen sprunghaft von 1,88 auf 2,07 Prozent. Mitte Dezember erreichte der Wert sogar 2,6 Prozent.

Spiegelbildlich rauschten die Kurse in den Keller: Zwischen dem Tag der Wahl (08. November 2016) und der Amtseinführung Donald Trumps (20. Januar 2017) büßte der globale Anleihemarkt, gemessen am Index Bloomberg Barclays Multiverse, 1600 Milliarden Dollar an Wert ein. Die von der Aussicht auf mehr Wachstum euphorisierten Anleger wechselten in Scharen von vermeintlich „sicheren Häfen“ wie Anleihen in risikoreichere Anlagen wie konjunktursensible Aktien – „Risk on“ nennen Experten diese Präferenz.

Zweifel an „Trumponomics“

Ist die Hausse bei Anleihen also tatsächlich beendet? Nicht unbedingt. Die „Trumpflation-Trades“, also die Wetten auf eine höhere Inflation durch Trump, ließen Anfang Februar nach, die Rendite zehnjähriger US-Treasuries fiel auf unter 2,5 Prozent. Der umstrittene Präsident muss also erst noch beweisen, ob seine „Trumponomics“ wirken.

Hinzu kommt: Die Schockwellen vom US-Rentenmarkt kamen auf anderen Kontinenten nur zum Teil an. Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen ist zwar nicht mehr negativ, lag aber mit 0,3 Prozent Mitte Februar immer noch sehr niedrig. Und in Japan blieb der Wert stoisch in der Nähe der Null-Prozent-Linie – dem Ziel der Bank of Japan. „Ob die Zinsen in Fernost und Europa steigen, hängt in großem Maße auch von der dortigen Geldpolitik ab“, sagt Torsten Strohrmann, Abteilungsleiter globale Anleihen bei der Deutschen Asset Management. „Rasche Zinsanhebungen scheinen in beiden Fällen nicht in Sicht.“

Das Fazit aus den rapiden Anleihe-Kursverlusten seit der Trump-Wahl fällt also keineswegs so eindeutig aus, wie es auf den ersten Blick scheint. Klar ist, dass politische Ereignisse und Tweets aus dem Oval Office die Rentenmärkte weiter in Atem halten werden. Doch in welche Richtung sich die Renditen bei überraschenden Wahlergebnissen bewegen, ist im Vorfeld kaum abzusehen. Nach der Trump-Wahl stiegen sie. Doch nach dem Brexit-Votum fiel die Rendite britischer Staatsanleihen, weil vorsichtige Investoren in Anleihen flüchteten.

2016: Das Jahr der Überraschungen

Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen haben sehr unterschiedlich auf Großereignisse reagiert. Nach dem Brexit-Votum fielen sie, die US-Wahl ließ dagegen die Zinsen steigen.

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Quelle: Thomson Reuters Datastream, Stand: 02/2017

„Die Unsicherheit auf den Rentenmärkten dürfte auch in diesem Jahr anhalten“, sagt Strohrmann. Wie geht es in den USA weiter? Wer gewinnt die Wahlen in Frankreich, Deutschland oder die im Raum stehende Neuwahl in Italien? Die Liste politischer Risiken ist lang.

Flexibel investieren

Diese Unsicherheiten machen die neue Welt der Anleihen für Anleger zu einem sehr komplexen Terrain. Die Laufzeiten der Anleihen im Portfolio zu reduzieren ist ein Schritt, um sich vor drohenden Zinsanstiegen zu schützen. Doch das ist für Bernhard Falk, Fondsmanager des Deutsche Invest I Global Bonds High Conviction der Deutschen Asset Management, nur eines von vielen Instrumenten. Als sich der Ausverkauf an den US-Rentenmärkten abzeichnete, setzte er auf Anlagevehikel, deren Kurse steigen, wenn die Kurse bei zehn- und 30-jährigen US-­Treasuries sinken. „Short gehen“ lautet der Fachbegriff für diese Taktik, die Falk auch nutzt, um von einem schwachen Yen gegenüber dem US-Dollar zu profitieren.

Doch das kann sich schnell wieder ändern. „Unter diesen rasch wechselnden Bedingungen muss man stets auf alles vorbereitet sein“, erklärt Falk. „Deswegen erarbeiten wir immer mehrere Risikoszenarien für das Portfolio und nehmen Gewinne möglichst schnell mit.“ Denn wer weiß schon genau, welche Schlagzeile morgen die Märkte bewegt?

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Deutsche Invest I Global Bonds High Conviction LC

Anlageziel: Mit großer Überzeugung („High Conviction“) investiert Fondsmanager Bernhard Falk gezielt in einzelne Segmente des globalen Anleihemarkts. Die Rendite soll zwei bis fünf Prozentpunkte pro Jahr über dem Drei-Monats-Euribor liegen, die Schwankungen sollen möglichst nicht höher sein als fünf Prozent.

Anlageschwerpunkt: Globale Staats- und Unternehmensanleihen, aber auch Hybridanleihen, Derivate und Geldmarktinstrumente kommen zum Einsatz.

Marktlage: Falk hat Ende 2016 den Anteil der Staatsanleihen etwas verringert und setzte verstärkt auf Unternehmensanleihen – vereinzelt auch aus Schwellenländern wie etwa Kasachstan oder Indonesien.

Risikofaktoren: Bonitäts- und Kursrisiken im Zins- und Währungsbereich können zu Verlusten führen.

ISIN: LU1445758573
Ausgabeaufschlag: 3,00 %
Gesamtkostenquote¹: 0,48 %
DWS-Risikoklasse²: 3 von 4
¹Stand: 31.12.2016. ²Bitte lesen Sie auch die Risikohinweise im Impressum

Deutsche Invest I Global Bonds LC

Anlageziel: Eine positive Rendite möglichst drei Prozentpunkte pro Jahr über dem Drei-Monats-Euribor bei Schwankungen von weniger als drei Prozent unabhängig von der Marktlage: Das ist die Maßgabe von Fondsmanager Roger Douglas.

Anlageschwerpunkt: Douglas kann auf die ganze Bandbreite der globalen Anleihemärkte zurückgreifen: von Staats- und Unternehmensanleihen bis hin zu Derivaten. Dabei sichert der Fonds Währungsrisiken ab.

Marktlage: Der Fondsmanager hat zuletzt Gewinne etwa aus US-Hochzinsanleihen mitgenommen und Positionen aus Russland, Argentinien und Mexiko verkauft beziehungsweise reduziert. Die durchschnittliche Laufzeit der Anleihen im Portfolio wurde abermals verkürzt.

Risikofaktoren: Es bestehen Bonitäts- und Kursrisiken im Zinsbereich.

ISIN: LU0616844923
Ausgabeaufschlag: 3,00 %
Gesamtkostenquote¹: 1,01 %
DWS-Risikoklasse²: 2 von 4
¹Stand: 31.12.2016. ²Bitte lesen Sie auch die Risikohinweise im Impressum